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Alpi Orobie Bergamasche

Tagestouren ab Camping San Simone, Valle Brembana
, 30.08.–06.09.2016

Alpi Orobie Bergamasche – fantastico!

Zwei Monate nach meinem Alleingang über die Via Spluga an den Lago die Como durchstreife ich gemeinsam mit meiner Wanderfreundin Dagmar neue Pfade durch fantastische Berge, die Alpi Orobie Bergamasche im gleichnamigen Regionalpark, nördlich von Bergamo. Für einen ersten gemeinsamen Urlaub haben wir uns für Tagestouren entschieden. Der Campingplatz San Simone im Valle Brembana eignet sich sehr gut dafür. Es war erstaunlich ruhig. Das liegt vor allem daran, dass der Platz von Dauercampern und dem Skitourismus im Winter lebt.

Die kürzeste Anreise führt über eine kleine Bergstraße. Und so fahren wir vom Valtellina hinauf über den Passo San Marco (2.000 müM) ins Valle Brembana. Dabei kommt der Fiat Panda weniger an seine Grenze als ich selbst auf der schmalen Straße im Rande des Himmels. Und ich bin froh, als sie Serpentinen wieder abwärts gehen. Nach dem Zeltaufbau stärken wir uns mit Bier und Pasta am Restaurant des Platzes. 

 

1. Tag: Baita di Mezzeno – Sentiero dei Fiori – Capanna 2000


Ab der Baita durch den Wald hinauf in ein herrliches Almgebiet mit Pferden, Kühen und Schafen. Darüber der mächtige Monte Arena. Ein Wechsel von Sonne und Wolken lässt die Berge verschwinden und wieder erscheinen. Auf dem Sentiero die Fiori geht es heute unterhalb des Massivs vorbei. Wir tasten uns ran den Berg. Halbzeit in der Capanna 2000 einer netten Hütte unterhalb der alten Liftstation. Die Hütte wird von unfassbar netten und begeisterten Menschen betrieben, dass wir uns wie zuhause fühlen dürfen. Nach leckerem Essen, Kaffee und Kuchen steigen wir in den Wolken hinauf für den Rückweg. An einer ausgesetzten Stelle im Nebel entscheide ich für uns beide zum Umkehren. Schade aber richtig, bald drauf beginnt es auch etwas zu regnen. Kein Tag für die obere Querung. Wir kommen wieder!

 

2. Tag: Carona – Rifugio Fratelli Calvi


Das Wetter ist wie am Vortag und so erkunden wir heute die Gegend oberhalb von Carona am Talende. Ab dem alten Elektrizitätswerk, das den Strom mit Wasser vom Lago Ghemelli erzeugt steigen wir erst auf gepflasterter dann asphaltierter Straße zum schönen alten Bergdorf Pagliari hinauf. Hier überqueren wir den Bergbach und gehen im kühlen Wald lang und stetig hinauf. Nach einem See erreichen wir das Rifugio. Der düstere Pizzo Diavolo die Tenda überragt das weite Bergrund, immer wieder von einer Wolke verdeckt. Ich denke mir Verbindungswege aus und studiere die Gegend. Letztlich sind mir hier eindeutig zu viele Menschen heute. Darum machen wir uns auf den langen Abstieg auf der Straße. Das war nicht das, was wir suchten.

 

3. Tag: Baita di Mezzeno – Passo di Mezzeno – Lago Ghemelli – Lago Colombo


Der Pfad steigt in Abschnitten nördlich hinauf durch wechselnde wilde Landschaften zum Passo Mezzeno. Der Blick öffnet sich zum Lago Ghemelli in der alpinen Bergwelt. Das Rifugio Ghemelli sieht aus wie eine Postkarte aus den 50er-Jahren mit seinen roten Klappläden. Drinnen in der kleinen Kaffeebar sitzen Hirten und unterhalten sich im hiesigen Dialekt. Wir nehmen unsere Cappuccini mit hinaus in die Sonne. Danach gehen wir noch ein Stück hinauf zum Lago Colombo auf eine Wiese und genießen unser Vesper und die warme Sonne. Das Wetter spielt mit. Dann geht’s auf demselben Weg zurück. Eine tolle Tour!

 

4. Tag: Baita di Mezzeno – Capanna 2000 – Sentiero dei Fiori


Samstag, der Wanderparkplatz ist voll! Unterwegs verläuft es sich wieder. Diesmal machen wir die ganze Runde. Dazu steigen wir andersherum ein, um das unbekannte Stück gleich zu Beginn bei gutem Wetter zu machen. Die Durchquerung ist wunderschön wild. Einzelne Bergsteiger gehen den Grat hinauf zur Corna Piana. Wir steigen durch Geröll und queren die Berghänge. Ab der Hütte auf bekanntem Weg glücklich zurück.

 

5. Tag: 5 Bergdörfer und ein Mittagessen (Isola di Fondra – Roncobello)


Diese Kulturrunde startet am Fluss Brembana in Isola di Fonda und wir wollen vom Campingplatz aus heute direkt loslaufen. Leider finden wir den Einstieg hinauf zur Strada Piana  nicht und so fragen wir einen alten Mann nach dem Weg. Dieser weiß es auch nicht, doch da kommen zwei Freunde von ihm ums Eck und einer fährt uns dann direkt zum Einstieg. Italienische Gastfreundschaft pur und er erklärt uns wie wir ihn jederzeit finden können, falls wir noch Fragen haben! Ein Stück flussabwärts wendet sich der Weg hinauf, führt durch einen kleinen Tunnel ins nächste Bergdorf und dann immer so weiter mit herrlichen Ausblicken. Es geht auf alten Wegverbindungen bis nach Roncobello ins Rifugio Valle del Drago, wo wir jetzt schon öfters eingekehrt sind nach den Touren. Hier essen wir regional, bio und sehr gut! Dann steigen hinauf zum Passo del Vendulo und von da aus wieder hinab zur Brücke über die Brembana. Hier wartet allerdings kein „Taxi“ und so schlendern wir die Fahrstraße heim zum Camping.

 

6. Tag: Baita die Mezzeno – Tre Pizzi


Von unserem Lieblingsstartpunkt gehen wir wieder Richtung Lago Ghemelli, dann biegen wir links ab zu einer Hochfläche mit Almen. Die Tre Pizzi im Blick durchqueren wir die Wiesenpfade und dann steiler hinauf zum See unterhalb des Pietra Quadra. Hier soll ein Adler leben und wir halten die Augen offen – nichts. Die Kletterei an den Pizzi lassen wir aus und steigen zu einem Bivaccho ab mit herrlichen Ausblicken. Schließlich sehen wir noch eine Gruppe Gämsen am steilen Hang der Pizzi bei unserer Umrundung derselben. Zurück auf der Hochebene schlendere ich weit hinter Dagmar her. Unser letzter Wandertag … Dagmar wartet also auf mich, schaut zum Berg hinauf und da ist er: der Adler! Schnell hole ich das Fernglas heraus und wir beobachten seinen Flug am Berghang entlang, weiter hinauf auf den Kamm, dann verschwindet er hinter den Bergen. Was für ein Abschluss! Wer den Adler auf dem letzten Bild entdeckt ist selbst ein Adlerauge ;))

 

Es waren schöne Tage und ich kann mir vorstellen auch einmal den Sentiero delle Orobie zu gehen durch dieses wunderschöne und wilde Gebiet.